11.08.2026

Geschüttelt – nicht gerührt

Im Prüfinstitut Velbert (PIV) finden sich immer wieder interessante Prüfstände, deren Nutzen nicht auf den ersten Blick zu erkennen sind. So ist das auch mit dem sogenannten Shaker, der – wenn er aktiv ist – brummend in der Ecke seinen Dienst verrichtet. Doch was geschieht dort?

Bei genauerer Betrachtung sieht man auf dem hüfthohen rund 1,5 x 2 Meter großen Gerät einen kleinen Prüfkörper in ständiger Vibration. Korrekt heißt das Prüfgerät „Elektrodynamische Schwingprüfanlage“, wird aber im Fachjargon kurz Shaker genannt. Bei dem kleinen Prüfkörper handelt es sich um einen mechatronischen Schließzylinder.

Prüfer Gregor Röhling, der seit 16 Jahren im PIV arbeitet, erläutert die Anwendung verschiedener Normen für mechatronische Komponenten: „Wir prüfen hier nach der Norm für mechatronische Zylinder (DIN EN 15684) sowie den Normen für mechatronische Beschläge (DIN EN 16867 und DIN EN 16864) und mechatronische Hangschlösser (DIN EN 16864). Die Prüfungen dienen der Simulation der Lebensdauer des Zylinders, also die Vibrations- und Stoßbelastungen, denen Schließzylinder während ihres Transports, ihrer Montage und ihres späteren Betriebs ausgesetzt sein können. Dazu werden zwei verschiedene Verfahren angewendet. Ziel ist es sicherzustellen, dass die Komponenten über ihre gesamte Lebensdauer stabil bleiben.“

Zunehmende Vibrationen

Zunächst gibt es den Sinus-Durchlauf. Dabei durchläuft der in die Apparatur eingespannte Schließzylinder ein Frequenzband von 10 bis 150 Hertz (Hz) mit einer Änderungsgeschwindigkeit von einer Oktave pro Minute. Eine Oktave umfasst im ersten Schritt das Intervall von 10 bis 20, dann folgt eine Steigerung auf 20 bis 40 Hz, in der nächsten Minute eine weitere Erhöhung bis in Etappen schließlich 150 Hz erreicht sind. Der gesamte Test dauert etwa 40 Minuten. Der Frequenzbereich des Shakers reicht zwar bis 4.500 Hz, allerdings ist diese Höhe für die Prüfung nicht erforderlich. Das Gerät könnte also mehr, wenn es erforderlich wäre.

Nach dem Sinus-Durchlauf folgt der Dauerschock. Bei dieser Prüfung kommt es zu einer Beschleunigung von 40 g. Mit g sind nicht Gramm gemeint, sondern die Erdbeschleunigung. 40 g entsprechen etwa 392 m/s2, also dem 40-Fachen der normalen Erdbeschleunigung von 9,81 m/s2. Zum Vergleich: Normales Stehen auf der Erde entspricht 1 g, eine Achterbahnfahrt rund 4 g. Das Zehnfach tritt beim Dauerschock auf.

Diese extrem starken Stoßschläge simuliert die Belastungen im realen Betrieb, beispielsweise wenn eine Tür mit Schwung zugeschlagen wird oder aufgrund eines Durchzugs ins Schloss fällt. Da möchte kein Mensch seine Finger zwischen Tür- und Rahmen bekommen. Bei der Prüfung merkt man hingegen von dieser Kraft nichts. Stoisch brummt der Shaker vor sich hin und pumpt seine Platte, die auf einer Gummimembran ruht, regelmäßig auf. Die Bewegung ähnelt einer Lautsprecherbox, die Basstöne in den Raum pumpt.

Nach diesem Prüfdurchlauf kommt der Shaker zu Ruhe und Gregor Röhling testet, ob sich der Schließzylinder noch auf- und zuschließen lässt. Ist die reibungsfreie Nutzung gewährleistet, ist die Prüfung bestanden. Und das ist nach fast allen Prüfungen der Fall und zeigt, welch Hochleistungspräzision in einem solchen Bauteil steckt – eine Leistung, die selten erahnt und häufig unterschätzt wird.

Shaker

Fotos: Gütegemeinschaft Schlösser und Beschläge

Auf der Platte des hüfthohen rund 1,5 x 2 Meter großen Shakers wird der Prüfkörper angebracht.

Shaker mit SchlüsselShaker mit Schlüsseldrehung

Nach diesem Prüfdurchlauf kommt der Shaker zur Ruhe und es wird getestet, ob sich der Schließzylinder noch auf- und zuschließen lässt.

Achtung: Das Bild ist nicht unscharf, sondern zeigt den Shaker in Aktion bei 150 Hz im Sinus-Durchlauf.

 

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