14.07.2026

Dicht oder undicht? Das ist hier die Frage

Wenn Fenster und Türen nach den geltenden Normen geprüft werden, wirken enorme Kräfte auf die Bauelemente. Die Drücke, die bei der Luftdurchlässigkeitsprüfung entstehen, sind hoch. Der Wechsel zwischen Druck und Sog wäre für uns Menschen unangenehm spürbar.

Doch so ein Fenster- oder Türelement muss das schon aushalten, denn sonst dürfen Hersteller kein CE-Zeichen auf ihr Produkt aufbringen und es somit nicht in der EU verkaufen. Solche Prüfungen nimmt das Prüfinstitut Schösser und Beschläge Velbert (PIV) vor. Diese laufen gemäß den Normen DIN EN 14351-1, die für die Leistungseigenschaften von Fenstern und Außentüren seit 2006 gilt oder nach DIN EN 13830 für Fassaden ab. Die Prüfung umfasst den Test der Luftdurchlässigkeit, der Schlagregendichtigkeit und der Windlastprüfung.

Prüfung der Luftdurchlässigkeit

Zunächst wird der Prüfstand vorbereitet und das Element montiert. Dann beginnt die vierstündige Prüfung. Vorab wird die Funktion des Prüfkörpers geprüft: Das Element wird mindestens fünfmal geöffnet und geschlossen. Anschließend folgen drei Druckstöße mit maximalem Luftdruck, was in diesem Fall 660 Pascal (Pa) sind. Das entspricht umgerech-net fast 120 km/h und erreicht damit Orkanstärke.

Danach startet der eigentliche Test mit einem Druckanstieg in Stufen von 50 Pascal. Dies entspricht einer leichten Brise von 35 km/h und bewegt in der freien Natur die Zweige eines Baumes. Für ein Fenster- oder Türelement dürfte das kein Problem sein. Der Druck wird schrittweise auf 300 Pascal erhöht. Das gleicht bereits einem Sturm mit knapp 90 km/h, der schon für leichte Beschädigungen in der Umwelt sorgen kann. Um die Markttauglichkeit zu prüfen, wird der Druck ab 300 Pa in 150-Pascal-Schritten bis 600 Pascal gesteigert. Dieser Wert entspricht einem orkanartigen Sturm. Der Test wird dann mit negativem Druck wiederholt, sodass ein ebenso starker Sog entsteht.

Die Norm definiert vier Luftdurchlässigkeitsklassen, wobei Klasse 4 die höchste ist. Um eine der vorgegebenen Klasse zu erreichen, darf die gemessene Luftdurchlässigkeit den oberen Grenzwert bei einem Prüfdruck in dieser Klasse nicht überschreiten. Bewertet wird sowohl die Luftdurchlässigkeit bezogen auf die Gesamtfläche als auch auf die öffenbaren Fugen.

Prüfung auf Schlagregendichtheit

Nach der Luftdurchlässigkeitsprüfung folgt die Schlagregendichtheitsprüfung. Zunächst wird das Element 15 Minuten ohne Luftdruck beregnet. Falls der vorherige Orkansturm minimale Verformungen verursacht hat, würden diese bereits hier sichtbar werden. Doch laut Gregor Röhling, der seit 16 Jahren im PIV prüft, kommt das kaum noch vor.

Danach beginnt die eigentliche Prüfung mit ansteigendem Luftdruck, analog zur Luft-durchlässigkeitsprüfung, bis 600 Pascal erreicht sind. Auf Kundenwunsch können aber auch noch höhere Drücke geprüft werden. Der Prüfstand verfügt über Sprühdüsen alle 40 Zentimeter, die jeweils zwei Liter Wasser pro Minute versprühen. „Das ist schon ein kräftiger Guss“, weiß Röhling zu berichten. Während der Prüfung beobachtet der Prüfer das Element auf Wasseraustritt. Auffälligkeiten werden protokolliert.

Prüfung der Windlast

Ist das Element nach der Schlagregenprüfung innen trocken geblieben, kann der Hersteller – der einer solchen Prüfung traditionell beiwohnt – erst einmal aufatmen. Doch die Prüfung ist noch nicht vorbei: Jetzt folgt die Windlastprüfung. Hierbei wird geprüft, ob sich das Element im zulässigen Rahmen verformt. Dafür bringt der Prüfer Messtaster am Prüfkörper an. Diese messen, ob die Deformationen während der Prüfung noch im Toleranzbereich liegen. Anschließend gibt es wieder 3 Druckstöße. Die Druckhöhe hängt von der Klasse ab, die geprüft wird. Je nach Klasse (1 bis 5) beträgt der Druck P1 400, 800, 1.200, 1.600 oder 2.000 Pascal. Auf Kundenwunsch können aber auch hier höhere Drücke geprüft werden.
Die eben erwähnten 3 Druckstöße werden mit einem Druck von P1+10% durchgeführt. Es folgt ein schrittweise Druckanstiegt in 400 Pa Schritten bis zu P1 der jeweiligen Klasse, der 30 Sekunden gehalten wird. Dann wird die Durchbiegung gemessen.

Nach dem Druckabbau wird eine Minute später ohne Windlast erneut die Durchbiegung geprüft, um bleibende Verformungen zu erkennen. Danach wird der Test mit negativem Druck wiederholt. In der zweiten Prüfhälfte erfolgen 50 Zyklen mit abwechselndem positivem und negativem Druck, jeweils mit halbem P1-Druck.

Zum Abschluss folgt eine Sicherheitsprüfung: Hierbei wird das Element mit dem 1,5-Fachen des maximalen Drucks belastet. Es darf sich stärker verformen als in der Norm vorgegeben, muss aber intakt bleiben.

Nun erfolgt die Auswertung: „Wir untersuchen das Prüfelement auf Schäden oder gelös-te Teile. Alle Befunde geben wir ins Protokoll ein. Unsere Software wertet schließlich alle erhobenen Daten aus und der Kunde erhält die Dokumentation, das Protokoll und meistens auch das positive Prüfergebnis“, sagt Röhling.

Fassadenprüfstand1

Fassadenprüfstand2

Das PIV ist eines der wenigen Institute in Deutschland, die über einen Prüfstand für Fenster- oder Türelement verfügt.

Fotos: Gütegemeinschaft Schlösser und Beschläge

Prüfstand

Bei dieser Prüfung muss ein Fenster- oder Türelement schon einiges aushalten. Ansonsten dürfen Hersteller kein CE-Zeichen auf ihr Produkt aufbringen und es somit nicht in der EU verkaufen.

Sprühdüse

Schlagregendichtheitsprüfung

Der Prüfstand verfügt auf seiner Fläche von 5 mal 6 Metern alle 40 Zentimeter über eine Sprühdüse, die 2 Liter pro Minute ausstoßen kann.

Aufbau-Messtaster

Messtaster

Für die Windlastprüfung werden Messtaster am Prüfkörper angebracht. Diese messen, ob die Durchbiegungen während der Prüfung noch im Toleranzbereich liegen.

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